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Pressemitteilung des
Museums of Modern Art
Pressekontakt:
Paul Power, The Museum of Modern Art, (212) 708-9847,
paul_power@moma.org
Das Museum of Modern Art präsentiert eine Serie der Vielfalt und Innovation der
DEFA-Filmstudios über das Filmschaffen im früheren Ostdeutschland
Eine Serie von Spiel- und Kurzfilmen, die auch Filme einschließt, die von der
früheren DDR-Regierung verboten wurden
Rebels with a Cause: The Cinema of East Germany
Die Roy- und Niuta Titus-Kinos
7.-23. Oktober 2005
New York, 19. September 2005 – Das Museum of Modern Art präsentiert eine Serie
von 21 Filmen, die von den staatseigenen DEFA- (Deutsche Film AG) Filmstudios in
der DDR produziert worden sind. Die Reihe Rebels with a Cause: The Cinema of
East Germany ist eine Zusammenarbeit der Film- und Medienabteilung des MoMA, des
Goethe-Instituts New York und der University of Massachusetts Amherst, die vom
7.-23. Oktober 2005 in den Roy- und Niuta Titus-Kinos stattfinden wird. Die
Serie, die sowohl in den USA als auch in Deutschland gezeigt werden wird, ist
die umfassendste Retrospektive des ostdeutschen Filmschaffens, die jemals in den
USA gezeigt wurde. Sie umfasst mehrere Werke, die von der SED 1965 verboten
wurden und nie vorher in diesem Land gezeigt wurden. Einige der Werke benutzen
die Filme, um das ostdeutsche Regime in humorvoller und satirischer Weise zu
kritisieren. Die Spielfilme, Dokumentar- und Trickfilme dieser Retrospektive
spiegeln die Angst, Unsicherheiten und Identitätsprobleme wider, denen die
Ostdeutschen unter der kommunistischen Führung der Nachkriegszeit ausgesetzt
waren, als auch die Energie und Lebhaftigkeit, die sie dem neuen Regime
entgegensetzten. Fast alle Filme werden mit neuen 35mm-Kopien mit neuen
englischen Untertiteln gezeigt und mehrere Poster von Filmen der Serie werden im
Foyer des Titus 1-Kinos ausgestellt. Die Eröffnungsfilmvorführung (7. Oktober)
von Egon Günthers Der Dritte (1971) wird von der Hauptdarstellerin Jutta
Hoffmann vorgestellt werden.
Die Ausstellung wurde von Jytte Jensen, Kuratorin der Film- und Medienabteilung
des MoMA, Juliane Wanckel, Programm-Manager des Goethe-Instituts New York,
gemeinsam mit Hiltrud Schulz, DEFA Film Library, University of Massachusetts
Amherst organisiert.
Über den Zeitraum von fast 50 Jahren (1946-1992) produzierten die DEFA-Studios
über 7500 Filme, die von Spielfilmen, die sich mit dem Aufbau des
kriegszerstörten Deutschland und mit dem unterkühlten Klima persönlicher
Beziehungen während des Kalten Krieges befassen, bis hin zu Verfilmungen von
Märchen der Brüder Grimm, die in den Babelsberger Studios gedreht wurden. Seit
dem Fall der Berliner Mauer werden viele dieser Filme gezeigt, die vorher nur
selten in Deutschland vorgeführt wurden und jetzt national und international
gewürdigt werden. So wurden in einer Umfrage über ein Dutzend dieser Filme von
internationalen Kritikern in die Liste der 100 besten deutschen Filme, die
jemals gedreht wurden, gewählt.
Der Titel der Filmreihe spiegelt die sozialpolitischen Widersprüche unter denen
die Regisseure arbeiteten wider, oftmals sogar bis zu dem Punkt, dass Filme
verboten wurden. Die 11. Tagung des Zentralkomitees der SED war für die Zensur
und das Verbot der DEFA Filme 1965 verantwortlich. Nach 1965 versuchten die
Regisseure, ihre kritischen Auffassungen subtiler zu vermitteln.
Der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989, fiel mit der Premiere des
ersten DEFA-Spielfilms über Homosexualität Coming Out zusammen, der von Heiner
Carow gedreht wurde. Carow ist in der Filmreihe mit Die Legende von Paul und
Paula (1972) vertreten, ein Kultfavorit über eine Liebesaffäre zwischen einer
alleinstehenden Mutter und einem Bürokraten.
Unter den Filmen der Serie Rebels with a Cause sind auch bemerkenswerte Arbeiten
von Frank Beyer (Karbid und Sauerampfer, 1963) und Kurt Maetzig (Das Kaninchen
bin ich, 1965/1990). Beyers Komödie folgt einem Angestellten einer
Zigarettenfabrik in der Nachkriegszeit 1945, als er versucht, neun Fässer Karbid
durch das Land zu transportieren, um seine Fabrik mit diesem Rohstoff und sich
und seine Kollegen mit Arbeit zu versorgen. Seine Begegnungen mit einer
attraktiven Witwe, inkompetenten sowjetischen und amerikanischen Offizieren,
Dieben und Schwarzmarkthändlern werfen ein Licht auf die chaotische Situation,
die kurz nach dem Krieg existierte.
Das Kaninchen bin ich ist eine beißende Verurteilung des politischen
Opportunismus der sechziger Jahre, in der eine junge Frau eine Affäre mit einem
Richter hat, der ihren Bruder verurteilt hat. Sie findet heraus, dass der
Richter den Fall lediglich dazu benutzt hat, seine Karriere durch das Erteilen
der Höchststrafe für ihren Bruder, voranzubringen.
Gerhard Kleins Berlin—Ecke Schönhauser… (1957) spiegelt viele “Jugend”-Filme
wider, die in Europa und den USA dieser Zeit gedreht wurden und demonstrierte
die Bedeutung dieser Themen, die viele Regisseure weltweit beschäftigte. Mit
einer kraftvollen Darstellung einer Gruppe junger Schauspieler, besonders
Ekkehard Schall, unterstreicht der Film die Langeweile der Nachkriegsjugend und
deren unzureichend geplanten Vorhaben, schnell Geld zu verdienen. Der Film wurde
von ostdeutschen Offiziellen negativ gewertet – so wurde auch Jürgen Böttchers
verbotener Film Jahrgang 45 (1966/1990) als zu kritisch betrachtet, in dem
Monika Hildebrand und Rolf Römer starke Leistungen als neuverheiratetes Paar
liefern. Die Aussagen entsprachen nicht den offiziellen sozialistischen Idealen,
die die Regierung dargestellt sehen wollte. Sogar Filme, wie der erst 1990
gedrehte Film Die Architekten von Peter Kahane, illustriert die erdrückenden
sozialen und beruflichen Bedingungen, unter denen die Ostdeutschen arbeiteten.
Aus einer soziologischen Perspektive öffnen Rebels with a Cause ein Fenster in
das Alltagsleben Ostdeutschlands unter der sozialistischen Herrschaft. Die Filme
der Serie stellen darüber hinaus die Vielfalt der Talente – auf beiden Seiten
der Kamera – heraus, die mit innovativen Entwicklungen des westdeutschen
Filmschaffens jener Zeit einhergingen.
Die Filmreihe wird von der Max Kade Foundation Inc., dem Museum of Modern Art,
der DEFA Film Library, dem Goethe-Institut New York, der University of
Massachusetts Amherst, dem International Council, MoMA, der Kulturstiftung des
Bundes, Deutschland, der German Films Service+Marketing GmbH; der DEFA-Stiftung;
ICESTORM Entertainment GmbH, dem PROGRESS Film-Verleih GmbH, dem Wilhelm-Fraenger-Institut,
Berlin und dem Bundesarchiv Filmarchiv Berlin unterstützt.
Neben der Filmreihe Rebels with a Cause - The Cinema of East Germany gibt es
eine Reihe von zusätzlichen Veranstaltungen zum Thema ostdeutscher Film im
Oktober in New York:
Faces of DEFA—Eine Fotoausstellung. Porträts von Sandra Bergemann und Interviews
von Christoph Lemke im Deutschen Haus an der New York University, 42 Washington
Mews (am University Place). 6.-31. Oktober 2005
DVD-Premiere von Nackt unter Wölfen (1963). Frank Beyers Film liefert einen
Bericht über die wahre Geschichte der Häftlinge des KZ Buchenwald, die ihr Leben
riskierten, da sie einen kleinen jüdischen Jungen versteckten. Goethe-Institut
New York, 1014 5th Ave. (an der 83 St). 4. Oktober 2005, 19.30 Uhr
Diskussion am Runden Tisch: Lost in Unification. Placing East German Film in
World Cinema. An dieser Diskussion nehmen der Filmkritiker Heinz Kersten, der
Filmhistoriker Ralf Schenk, der Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase, die
amerikanische Filmemacherin Jennie Livingston, die Regisseurin Helke Misselwitz,
und die Professorin Katie Trumpener von der Yale University teil. Moderiert wird
die Diskussion durch Barton Byg, Direktor der DEFA Film Library an der
University of Massachusetts Amherst.
Veranstaltungsort: Goethe-Institut New York, 15. Oktober 2005, 13 Uhr
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